„Die Mengen sind zwar befriedigend, die Ergebnisse sind es jedoch nicht mehr“ – mit diesen Worten stellte Eberhard Frick, Vorsitzender des BDS-Vorstandsrats, in seiner Eröffnungsrede die aktuelle Situation für den Stahlhandel dar. Die drei Dimensionen Markt, Unternehmen und Verband standen bei „Stahlhandel in 3 D“ dabei im Vordergrund.
Volkswirtschaftliche Rahmenbedingungen
In seinem Referat wies Herr Dr. Matthias Huth von Dow Jones News darauf hin, dass für die Eurozone als Ganzes in naher Zukunft zwei Quartale mit negativem Wachstum zu erwarten sind. Oliver Renzow von Roland Berger hob im Ergebnis anhaltende Volatilitäten, forciert durch das Thema Rohstoffe, als wesentliche Herausforderung für den Stahlhandel hervor. Zusätzlich werde die anhaltende Zurückhaltung von Banken und Warenkreditversicherungen die Situation bei Liquidität und Finanzierung erschweren.
Aussichten der stahlverarbeitenden Wirtschaftszweige
Jürgen Schmitt von Donges SteelTec berichtete aus Sicht des Stahlbaus, dass der Substitutionsdruck durch Beton und Holz stetig zunimmt und ein steigender Wettbewerb innerhalb Europas und aus Asien beobachtet wird. Für den Maschinenbau sprach Dr. Markus Mohr von Soyka deutliche Worte zu den Qualitätsmaßstäben: Dem Druck am Markt aus Indien und China kann nur durch kompromisslose Materialqualität, präzise Liefertreue und einer bedingungslosen Materialverfügbarkeit begegnet werden. Andreas Groll vom Nutzfahrzeughersteller Schmitz Cargobull sieht für seine Branche derzeit Zuwachsperspektiven im LKW-Segment, da sich die Güterverkehrsleistung bis zum Jahr 2025 nahezu verdoppeln wird.
Perspektive der Stahlproduktion
Mit seiner Aussage „Stahl aus Deutschland trägt die Gesellschaft“ sprach Hans-Jürgen Kerkhoff von der Wirtschaftsvereinigung Stahl den Tagungsteilnehmern aus der Seele – schließlich entfällt rund die Hälfte der deutschen Warenexporte auf stahlintensive Güter. Eingetrübt ist die Stimmung weiterhin am Formstahlmarkt: Dr. Roger Schlim von Peiner Träger erwartet bei nahezu doppelt so hohen Kapazitäten im Vergleich zum derzeitigen Verbrauch ein Ende der Krise erst in ungefähr fünf Jahren. Eine veränderte Sichtweise von volkswirtschaftlichen Wachstumsraten mahnte Benedikt Niemeyer von Schmolz + Bickenbach an: Bei der Betrachtung von absoluten BIP-Werten ergebe sich ein deutlich positiveres Bild für die entwickelten Industrienationen!
Aufgaben des Stahlhandels
Die Sichtweise eines inhabergeführten Mittelständlers präsentierte Heinz Herbort von Kerschgens Stahl & Mehr: Er berichtete vom differenzierten Vorgehen seines Unternehmens, um dem anhaltenden „Zermürbungskrieg“ am Markt zu begegnen. Hanns-Jörg Westendorf stellte am Beispiel seines Unternehmens Hoberg & Driesch dar, wie durch die Ergänzung des Portfolios mit höherwertigen Güten auf anspruchsvollen Märkten ein Wachstum durch Innovationen erreichbar ist. Aufgrund ihrer Rolle als „Bindeglied zwischen Volatilität und Kontinuität“ kommen für die Distribution unterschiedliche Ansätze auf der Absatz- und auf der Beschaffungsseite in Frage, so Ulrich Becker von Klöckner & Co. Dies spiele angesichts der begrenzten Langzeit-Wachstumsperspektive bei der Preisgestaltung im volatilen Umfeld eine besondere Rolle.
Dimensionen der BDS-Verbandsarbeit
Für den Bereich Research informierte Jörg Feger über die Werkzeuge des Verbands, mit denen die unterschiedlichen Themen aus Wirtschaft, Recht und Technik als anwendbare Informationen für die Mitglieder aufbereitet werden. Ksenija Sandek präsentierte das aktuelle Marketingprojekt „Stahlhändlersuche“ auf der Verbands-Homepage und motivierte die Mitglieder, das BDS-Logo mit Hinweis auf die Mitgliedschaft auf die eigene Unternehmenswebsite zu setzen und zu verlinken. Das Motto „Kein Abschluss ohne Anschluss“ benutze Dr. Ludger Wolfgart, um die BDS-Berufsbildung als Antwort auf die demographischen Herausforderungen der Branche darzustellen. Darüber hinaus ehrte er vor Ort die ersten Absolventen des BDS-Fernstudiums „Betriebswirt Stahlhandel“.
„Chancen in Stahl“ ist der Leitfaden, mit dem die Stiftung des Deutschen Stahlhandels zukünftig die berufsbildenden Aktivitäten voran treiben wird. Peter Henseler stellte als Vertreter der Stiftung das Konzept dar, welches für Erhalt und erfolgreiche Weiterentwicklung des Stahlhandels in Deutschland einstehen wird.
© Bildmaterial mit freundlicher Unterstützung von Sebastian Drolshagen.