„Es ist ein natürliches Element, das in vielen Mineralien und Gesteinen enthalten ist; es ist wirtschaftlich, nahezu unzerstörbar und nachhaltig – und es sorgt für perfekten Korrosionsschutz von Stahl: Zink.“ Paul Niederstein, Geschäftsführender Gesellschafter der Siegener Verzinkerei Holding (SVH), gerät ins Schwärmen, wenn er von den verschiedenen Verfahren des Feuerverzinkens erzählt, die in der Unternehmensgruppe praktiziert werden.
Egal ob Normal- oder Hochtemperaturverzinkung, Pulver- und Nassbeschichtung oder andere Beschichtungstechnologien – der 36-Jährige kennt sich mit allen Veredlungsverfahren aus. Schließlich leitet er mit seinem Kollegen Dr. Michael Romberg in der Holding-Geschäftsführung und einem Führungsteam ein 1.000 Mitarbeiter starkes Unternehmen, das inklusive aller Beteiligungen knapp 1300 Beschäftigte zählt. Vor sieben Jahren trat der studierte Betriebswirt in das traditionelle Familienunternehmen, das zu den ältesten im Siegerland gehört, ein und übernahm inzwischen vom Vater Klaus Niederstein die Geschäftsführung. Heute führt er es in fünfter Familiengeneration fort. So gehen die Ursprünge der SVH bis auf das Jahr 1885 zurück. Der Kreuztaler Heinrich Adolf Dresler, nach dem auch Dreslers Park in Kreuztal benannt ist, legte den Grundstein für das heutige Unternehmen mit dem Kauf einer kleinen Verzinkerei in Geisweid. Heute gehört die SVH nach Aussage von Paul Niederstein zu den bedeutendsten Anbietern in Deutschland und Europa. „Wir haben mit unglaublich viel Konkurrenz zu kämpfen, ein reiner Verdrängungswettbewerb in dem ein sehr hoher Preisdruck herrscht. Da kommt es darauf an, sich vom Wettbewerb zu differenzieren.“
Genau das hat die SVH mit einer intelligenten Strategie auch geschafft. So verfügt das Familienunternehmen im Gegensatz zur Konkurrenz allein in Deutschland über drei besonders groß dimensionierte Kesselanlagen, in denen die Bauteile verzinkt werden. „Dadurch werden wir besonders für die im Stahl- und Brückenbau aktiven Unternehmen ein attraktiver Partner. Dies ist kein Zufall, wir haben in den vergangenen Jahren intensiv daran gearbeitet, die erste Adresse für Stahlbauaufträge in Deutschland zu werden“, so Paul Niederstein. Den größten ihrer drei Stahlbaukessel betreibt die SVH, geografisch optimal positioniert, zentral zu den beiden anderen Großkesseln in Kreuztal. „Hier können einzelne Bauteile bis zu 19,2 Meter in einem Tauchgang verzinkt werden. Damit hat die Anlage in Siegen ein Alleinstellungsmerkmal, da diese Längen nirgendwo anders in Deutschland in einem Vorgang veredelt werden können. Und Bauteile bis zu einer Länge von 28 Meter oder Stückgewichte von bis zu 20 Tonnen sind für uns ebenfalls kein Problem“, so Niederstein weiter über den mit 750 Tonnen Zink befüllten Kessel. Ein weiterer Wettbewerbsvorteil sei die Tatsache, dass man im Bereich der Hochtemperaturverzinkung eine absolute Nische belege. Bei diesem von SVH selbst entwickelten und zur Marktreife geführten Verfahren werden beispielsweise Bauteile für den Automotive-Bereich veredelt. Sie erhalten bei 570 bis 620 Grad Celsius eine dünnere, aber dafür härtere Legierungsschicht. Die sogenannten „Underbody Parts“ werden schließlich unter den Pkw montiert und schützen die Karosserie vor Steinschlägen.
Neben dem geplanten Ausbau der Hochtemperaturverzinkung möchte das Unternehmen sich seinen Kunden aber auch nicht bloß als reiner Verzinker präsentieren, sondern als flexibler und professioneller Systemanbieter von Oberflächentechniken mit dem Schwerpunkt der Verzinkung und darauf ausgerichteten Dienstleistungen. „Das heißt, der Kundenkontakt hört nach der Verzinkung nicht auf“, bringt Niederstein die Philosophie auf den Punkt. So biete man beispielsweise Duplex-Beschichtungen an, bei dem es sich um eine Nachbehandlung von verzinkten Oberflächen wie etwa einem Farbauftrag handele. Außerdem organisiere man für den Kunden, falls gewünscht auch die komplette Logistikkette, also die Lagerung und den Transport der Bauteile. Durch diese zusätzlichen Serviceleistungen, die übrigens auch das Anarbeiten von Elektronikbauteilen oder Verschraubungen beinhaltet, werde man dem Anspruch als Full-Service-Partner und Systemanbieter noch gerechter, so Niederstein.
Insgesamt 180.000 Tonnen Stahl werden pro Jahr von der Siegener Verzinkerei Holding in den deutschen Werken verzinkt, davon 40.000 Tonnen in Kreuztal. Die Kunden setzen sich aus den Segmenten klassischer Stahlbau, Stahlhandel, Serienhersteller (zum Beispiel Windkraftanlagen, Solarunterkonstruktionen oder Straßenbau), Schlosserkunden und dem Automotive-Bereich zusammen. Der Umsatz des Unternehmens liegt in Deutschland bei 80 Millionen Euro. Rund 160 Millionen Euro werden inklusive aller Beteiligungsgesellschaften international erwirtschaftet. Die Siegener Verzinkerei Holding betreibt 14 Tochtergesellschaften an 13 Standorten in Deutschland, Holland und Belgien. Darüber hinaus hält sie Beteiligungen in Tschechien, der Slowakei und in der Türkei. Paul Niederstein: „Größe ist nicht alles. Sie ist aber unter Umständen ein klarer Wettbewerbsvorteil. Deswegen haben wir unser Netzwerk an eigenen Standorten und Beteiligungen in ganz Europa konsequent erweitert. Dadurch können wir zum Beispiel 24-Stunden-Service für täglich tausend Tonnen an mehreren Standorten allein in Deutschland bieten.“
Die Auftragslage sei derzeit sehr zufriedenstellend. Man blicke optimistisch in die Zukunft, schon auf Grund der Tatsache, dass man stets eine konservative Finanzplanung praktiziert habe und aktuell auf eine Eigenkapitalquote von über 50 Prozent blicken könne. „Wir streben nachhaltiges und ertragsorientiertes Wachstum an, wodurch langfristig allen Mitarbeitern ein moderner und interessanter Arbeitsplatz geboten werden kann“, so Niederstein. gh